In vielen Chefetagen herrscht beim Blick auf das neue Marketing-Angebot der Agentur erst einmal Ratlosigkeit. Die Zahlen sind verdammt hoch, die Begrifflichkeiten wirken wie technisches Kauderwelsch und die versprochenen Ergebnisse klingen fast zu schön, um wahr zu sein.
Das Kuriose dabei: Während jeder andere Dienstleistungsvertrag im Haus – egal ob für die neue Software oder die Büromiete –akribisch durchleuchtet wird, winken viele Entscheider Marketing-Budgets einfach per Vertrauensvorschuss durch.
Die Praxis zeigt aber ein ganz anderes Bild. Ein Großteil dieser Angebote steckt voller fachlicher Unklarheiten, aufgeblähterZeitansätze oder versteckter Kostenfallen. Ohne eine unabhängige Prüfung von außen bleiben diese Dinge schlicht unsichtbar.
Das Dilemma der fachlichen Intransparenz
Das Hauptproblem bei der Bewertung von Agentur-Angeboten ist das krasse Wissensgefälle. Auf der einen Seite steht die Agentur als Experte, auf der anderen der Auftraggeber, der sich oft auf sein Bauchgefühl verlassen muss. Genau diese Lücke wird häufiggenutzt, um Leistungen in undurchsichtige Pakete zu schnüren. Als Kunde lässt sich dann kaum noch nachvollziehen, welcher Aufwand wirklich dahintersteckt.
Typische Schwachstellen, die wir in solchen Angeboten immer wieder finden:
- Überzogene Projektmanagement-Pauschalen: Es ist keine Seltenheit, dass plötzlich 15 bis 25 % derGesamtsumme für „Organisation“ draufgehen. Was genau da operativ passiert, bleibt meistens im Dunkeln.
- Undurchsichtige Media-Budgets: Man weiß oft nicht: Fließen die Euros wirklich zu 100 % in die Kampagnen? Oder streicht die Agentur im Hintergrund noch Provisionen (Kickbacks) von den Plattformen ein?
- Tool-Kosten als Extra-Posten: Da werden plötzlich Gebühren für
Standard-Software abgerechnet, die eigentlich zur Grundausstattung jeder seriösen Agentur gehören sollten.
Warum die juristische Prüfung allein zu kurz greift
Natürlich lassen viele Firmen ihre Verträge von der Rechtsabteilung oder dem Hausanwalt checken. Das ist auch gut so, umKündigungsfristen und Haftungsfragen zu klären. Aber mal ehrlich: Ein Jurist kann nicht beurteilen, ob die Agentur für das Setupeiner Tracking-Struktur wirklich 40 Stunden braucht oder ob sie hier einfach einen Faktor 3 zu viel aufgeschlagen hat.
Eine echte Angebots- und Vertragsprüfung muss deshalb auf zwei Ebenen stattfinden. Neben der juristischen Sicherheit braucht es die fachliche Plausibilität. Nur wer das Tagesgeschäft im digitalen Marketing aus dem Effeff kennt, sieht sofort, ob Preis und Leistung in einem fairen Verhältnis stehen. Wer hier in der Angebotsphase ein technisches Veto einlegt, rettet oft fünf- bis sechsstellige Beträge über die gesamte Laufzeit.
Versteckte Fallen im Kleingedruckten
Es geht aber nicht nur um die nackten Zahlen. In den Leistungsbeschreibungen verstecken sich oft strategische Stolpersteine.Nehmen wir das Thema Datenhoheit. In vielen Verträgen ist nicht glasklar geregelt, wem die Werbekonten, die Pixel-Daten oder die Tracking-Setups gehören, wenn es mal zum Bruch kommt.
Endet die Zusammenarbeit, stehen Unternehmen oft vor einem Trümmerhaufen: Die Agentur behält den Zugriff auf die wertvollen historischen Daten und der Kunde fängt bei Null an. Eine fachliche Prüfung stellt sicher, dass alle Assets vom ersten Tag an dem Auftraggeber gehören. Außerdem werden schwammige Aussagen wie „laufende Optimierung“ durch knallharte, messbareLeistungswerte ersetzt. So kann man die Agentur später auch wirklich festnageln.
Der Wert einer fachlichen Zweitmeinung
Sich ein technisches Testat für ein Angebot einzuholen, ist kein Zeichen von Misstrauen. Es ist schlichtweg wirtschaftliche Vernunft. Eine neutrale Instanz, die selbst kein Interesse daran hat, das Projekt später umzusetzen, liefert die nötige Objektivität.
Dabei geht es gar nicht nur um reines „Kostendrücken“. Oft führt eine Prüfung dazu, dass das Budget einfach intelligenter verteiltwird – weg von administrativen Wasserköpfen, hin zu Aktivitäten, die wirklich Umsatz bringen. Das sorgt für eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe und schafft von Anfang an Transparenz.
Abschließende Einordnung
Ein Marketing-Angebot ist weit mehr als nur ein Blatt Papier – es ist das Fundament für eine oft jahrelange Investition. Wer hier die fachliche Prüfung schwänzt, verschenkt nicht nur Geld, sondern manövriert sich oft in fatale Abhängigkeiten.
Die externe Validierung bringt Licht ins Dunkel, deckt Ineffizienzen auf und sorgt dafür, dass jeder Euro des Budgets auch wirklich dort ankommt, wo er dem Unternehmen nutzt. Am Ende schont die Vertragsprüfung nicht nur das Kapital, sondern schlichtweg dieNerven der Verantwortlichen.

