Island hat in den vergangenen Jahren ein Besucheraufkommen erlebt, das die Infrastruktur des Landes an seine Grenzen gebracht hat. 2023 zählte die Tourismusbehörde rund 2,1 Millionen Ankünfte bei einer Bevölkerung von knapp 380.000 Menschen. Für 2026 rechnen Branchenvertreter mit einem weiteren Anstieg, auch weil mehrere europäische Airlines neue Direktverbindungen angekündigt haben. Wer Reykjavik besuchen möchte, sollte das nicht improvisiert angehen.
Wann fährt man am besten hin?
Die Antwort hängt davon ab, was man sucht. Wer das Nordlicht sehen will, muss zwischen Oktober und März reisen. Die besten Bedingungen bieten sich bei klarem Himmel und wenig Mondlicht, typischerweise im November und Februar. Der Sommer dagegen lockt mit bis zu 24 Stunden Tageslicht und milden Temperaturen um 12 bis 15 Grad Celsius. Hochsaison ist Juli und August: Dann sind Hotels teurer, Mietautos knapper und beliebte Restaurants wie das Dill oder das Matarkjallarinn oft Wochen im Voraus ausgebucht.
April, Mai und September gelten unter erfahrenen Island-Reisenden als Geheimtipp. Weniger Andrang, günstigere Preise, aber trotzdem gute Lichtverhältnisse und annehmbare Wetterbedingungen. Ein Mietwagen kostet im Mai teilweise 40 Prozent weniger als im Juli.
Kosten realistisch einplanen
Island ist teuer, und daran hat sich 2025 wenig geändert. Ein einfaches Mittagessen in einem Café in Reykjavik kostet zwischen 2.500 und 3.500 Isländischen Kronen, umgerechnet etwa 17 bis 24 Euro. Ein Craftbier in einer Bar am Laugavegur liegt bei rund 1.500 Kronen. Wer abends in Restaurants essen geht, sollte pro Person mindestens 8.000 bis 12.000 Kronen einkalkulieren, ohne Wein.
Supermärkte wie Bónus oder Krónan ermöglichen deutliche Einsparungen. Ein Frühstück aus dem Supermarkt, Lunchpakete für Tagestouren und nur ein oder zwei Restaurantbesuche pro Tag reduzieren die täglichen Ausgaben erheblich. Eine realistische Tagesbudgetplanung für zwei Personen mit Mietwagen, Unterkunft und gemischter Verpflegung liegt bei 250 bis 320 Euro.
Reykjavik selbst verstehen
Die Stadt ist kleiner als viele erwarten. Das Stadtzentrum lässt sich gut zu Fuß erkunden. Reykjavik ist die nördlichste Hauptstadt der Welt und liegt auf einer Halbinsel, von der aus man bei klarem Wetter die umliegenden Berge und an guten Tagen sogar den Gletscher Snæfellsjökull sehen kann. Das prägt die Stadt visuell und atmosphärisch stärker, als es Fotos vermitteln.
Wer authentischere Eindrücke sucht, sollte über das Zentrum hinausschauen. Die Viertel Vesturbær und Hlíðar sind ruhiger und weniger touristisch. Cafés und kleine Restaurants dort richten sich eher an Einheimische. Das Viertel 101, die Postleitzahl für das eigentliche Zentrum, ist touristisch gut erschlossen, aber auch entsprechend preisintensiv.
Vulkanaktivität: Was Reisende wissen müssen
Die Halbinsel Reykjanes südwestlich der Stadt ist seit 2021 tektonisch aktiv. Mehrere Eruptionen haben die Ortschaft Grindavík schwer getroffen. Der Betrieb der Blauen Lagune wurde mehrfach unterbrochen und nach Umbauarbeiten wieder aufgenommen. Stand Anfang 2025 ist die Lagune geöffnet, aber Reisende sollten die aktuellen Meldungen des Isländischen Meteorologischen Amts (Veðurstofa Íslands) verfolgen, dessen Website englischsprachige Echtzeit-Updates zur Vulkanaktivität bietet.
Direktgefahr für Reykjavik selbst besteht nach Einschätzung der isländischen Behörden nicht. Die Hauptstadt liegt außerhalb der aktiven Risikozone. Dennoch können Eruptionen kurzfristig zu Straßensperrungen, Aschewolken oder Flugverzögerungen führen. Eine Reiserücktrittsversicherung, die Naturereignisse einschließt, ist für 2026 keine Vorsichtsmaßnahme, sondern schlicht sinnvoll.
Praktische Hinweise für die Planung
Mietwagen sollten frühzeitig gebucht werden, besonders für Sommer 2026. Wer die Ringstraße oder abseits gelegene Regionen erkunden will, benötigt ein Fahrzeug mit Allradantrieb. Normale PKW dürfen auf isländischen F-Roads nicht fahren, und Verstöße werden mit hohen Bußgeldern geahndet. Mietwagengesellschaften verlangen bei Schäden durch Flussdurchquerungen oder Steinschlag oft volle Haftung, wenn keine entsprechende Zusatzversicherung abgeschlossen wurde.
- Führerschein: Der EU-Führerschein wird anerkannt. Internationale Reisende aus Nicht-EU-Ländern benötigen einen internationalen Führerschein.
- Währung: Isländische Krone (ISK). Kartenzahlung ist fast überall möglich, Bargeld wird selten benötigt.
- Strom: Typ F, 230 Volt, wie in Kontinentaleuropa. Für britische oder US-Geräte wird ein Adapter benötigt.
- Öffnungszeiten: Supermärkte schließen oft schon um 20 oder 21 Uhr. Staatliche Spirituosenläden (Vínbúðin) haben noch kürzere Öffnungszeiten.
- Trinkgeld: In Island nicht üblich und wird von Einheimischen nicht erwartet.
Was viele Reisende unterschätzen
Das Wetter. Island ist nicht unbedingt kälter als Mitteleuropa im Winter, aber unberechenbarer. Innerhalb eines Tages können Sonnenschein, Sturm, Schnee und Regen aufeinanderfolgen. Die Redewendung „wenn dir das Wetter nicht gefällt, warte fünf Minuten“ ist in Island keine Übertreibung. Wasserdichte Kleidung, Schichten und festes Schuhwerk sind keine optionalen Extras.
Unterschätzt wird auch die Distanz zwischen Sehenswürdigkeiten. Der Golden Circle, eine der meistgebuchten Tagestouren ab Reykjavik, umfasst den Geysir Strokkur, den Wasserfall Gullfoss und den Nationalpark Þingvellir. Die Fahrzeit für die gesamte Schleife liegt bei mindestens sechs Stunden, realistischer sind acht bis neun Stunden mit Stopps. Wer das in drei Stunden erledigen will, verpasst das Wesentliche.
Reykjavik 2026 lohnt sich für alle, die gut vorbereitet anreisen. Die Stadt hat Substanz jenseits der Instagram-Motive, und Island als Ganzes bleibt eines der landschaftlich eindrucksvollsten Reiseziele Europas. Wer Kosten, Wetter, Vulkanaktivität und Logistik realistisch einplant, wird weniger überrascht und mehr beeindruckt sein.

