Ein Wohnwagen steht viele Monate im Jahr ungenutzt auf dem Hof oder am Straßenrand. Regen, UV-Strahlung und Frost setzen Plane, Dach und Karosserie zu. Wer das vermeiden will, denkt früher oder später über einen Unterstand nach. Ein spezieller Carport ist dabei die naheliegendste Lösung, weil er günstiger ist als ein Garagenneubau und trotzdem dauerhaften Schutz bietet. Doch Wohnwagencarports unterscheiden sich in Größe und Preis erheblich von dem, was man aus dem Pkw-Bereich kennt.
Warum ein Standard-Carport nicht reicht
Ein normaler Pkw-Carport ist auf Fahrzeuge bis etwa 2,10 Meter Höhe und 5,00 Meter Länge ausgelegt. Ein Wohnwagen dagegen bringt es leicht auf 7,50 bis 9,00 Meter Länge, wenn man die Deichsel einrechnet, und auf eine Höhe von 2,50 bis 3,00 Metern. Breite Modelle messen 2,50 Meter und mehr. Ein Standardprodukt aus dem Baumarkt ist dafür schlicht zu klein.
Hinzu kommt die statische Anforderung: Wohnwagencarports stehen oft freier, haben größere Dachflächen und müssen entsprechend höhere Schneelasten tragen. In Schneelastzone 2 oder 3, also in großen Teilen Süddeutschlands, müssen Konstruktionen mindestens 1,25 kN pro Quadratmeter aushalten. Billigkonstruktionen aus dem Versandhandel schaffen das häufig nicht, was im schlimmsten Fall zu Einsturzschäden führt.
Die richtigen Maße ermitteln
Bevor man ein Produkt auswählt, sollte man den eigenen Wohnwagen genau ausmessen. Dabei gilt: immer Deichsel inklusive messen, nicht nur den Aufbau. Typische Richtwerte für die Innenlichte eines Carports:
- Länge: mindestens Fahrzeuglänge plus 1,00 Meter Puffer, also bei einem 8,50-Meter-Gespann mindestens 9,50 Meter
- Breite: Fahrzeugbreite plus je 0,40 bis 0,60 Meter auf jeder Seite, also bei 2,30 Metern Breite mindestens 3,10 Meter lichte Weite
- Höhe: Fahrzeughöhe plus mindestens 0,30 Meter, besser 0,50 Meter, damit man aufrecht um den Wohnwagen herumgehen kann
Gängige Konfektionsgrößen beginnen bei etwa 3,00 x 6,00 Metern für kleinere Caravans und reichen bis zu 4,00 x 10,00 Metern für größere Modelle. Wer einen Wohnwagen mit Vorzelt einlagert oder Platz für Zubehör benötigt, sollte eher zur großzügigeren Variante greifen.
Materialien und ihre Vor- und Nachteile
Auf dem Markt dominieren drei Materialien: Holz, Stahl und Aluminium. Jedes hat konkrete Stärken und Schwächen, die sich direkt auf den Preis auswirken.
Holz ist optisch beliebt und lässt sich gut in Gartenumgebungen integrieren. Ein Leimbindercarport in der Größe 3,60 x 9,00 Meter kostet als Bausatz zwischen 2.500 und 4.500 Euro. Holz muss aber alle zwei bis drei Jahre gestrichen oder geölt werden, sonst leidet die Substanz. Feuchte Standorte beschleunigen die Verwitterung erheblich.
Stahl ist stabiler und in der Regel günstiger als Holz. Verzinkter Stahl rostet unter normalen Bedingungen kaum, braucht aber gelegentliche Kontrolle an Schweißnähten und Schraubanschlüssen. Preise für verzinkte Stahlcarports beginnen bei etwa 1.800 Euro für kleinere Größen und steigen bei professionellen Sonderanfertigungen auf 6.000 Euro und mehr.
Aluminium liegt preislich dazwischen, ist aber wartungsärmer als Stahl und leichter als beide Alternativen. Aluminiumcarports sind besonders in Küstenregionen sinnvoll, weil sie unempfindlich gegen Salzluft sind. Für eine Größe von 3,50 x 9,00 Metern zahlt man typischerweise zwischen 3.000 und 5.500 Euro.
Beim Kauf lohnt es sich, spezialisierte Anbieter zu vergleichen, die Carports explizit für Wohnwagen dimensionieren. Ein guter Anlaufpunkt für einen ersten Überblick über Modelle, Maße und Konfigurationsmöglichkeiten ist etwa dieser Bereich für den Carport für Wohnwagen, wo man verschiedene Größen und Materialien nebeneinander sehen kann.
Dachform: Flach, Satteldach oder Pultdach?
Die Dachform beeinflusst sowohl den Preis als auch die Schneelasteigenschaften. Ein Flachdach mit leichtem Gefälle von zwei bis drei Grad ist günstig in der Herstellung, hat aber in schneereichen Regionen Nachteile: Schnee rutscht nicht selbstständig ab und muss von Hand entfernt werden. Bei einer Dachfläche von 36 Quadratmetern (4,00 x 9,00 Meter) und einer Schneelast von 75 kg pro Quadratmeter kommt man schnell auf 2.700 Kilogramm Gesamtlast, die die Konstruktion tragen muss.
Ein Pultdach mit 10 bis 15 Grad Neigung räumt Schnee zuverlässiger ab und eignet sich gut für Einzelcarports, weil es nur einen Firstpunkt hat. Das Satteldach mit beidseitigem Gefälle ist optisch oft ansprechender und entwässert gleichmäßig, erfordert aber eine höhere Mittelstütze oder eine entsprechend dimensionierte Dachkonstruktion.
Baugenehmigung: Was gilt wo?
In Deutschland ist die Baugenehmigungspflicht Ländersache. In Bayern etwa sind Carports bis zu einer bestimmten Grundfläche (50 Quadratmeter in den meisten Gemeinden) verfahrensfrei, unterliegen aber trotzdem dem Baurecht bezüglich Abstandsflächen und zulässiger Bebauung. In Nordrhein-Westfalen gilt eine ähnliche Regelung, aber die Grenzwerte weichen ab.
Wer einen Wohnwagencarport mit 3,50 x 9,00 Metern plant, kommt auf 31,5 Quadratmeter, liegt also in den meisten Bundesländern unter der Genehmigungsfreigrenze. Dennoch gilt: immer beim örtlichen Bauordnungsamt nachfragen, bevor man bestellt. Mindestabstände zur Grundstücksgrenze liegen in der Regel bei 2,50 bis 3,00 Metern, können aber in Bebauungsplänen abweichen.
Gesamtkosten realistisch kalkulieren
Der reine Bausatzpreis ist nicht der einzige Kostenfaktor. Wer das Fundament nicht selbst anlegen kann oder will, zahlt für ein Streifenfundament aus Beton bei einem 3,50 x 9,00 Meter Carport schnell 800 bis 1.500 Euro Handwerkerkosten, je nach Region und Bodenbeschaffenheit. Punktfundamente mit einbetonierten Stahlankern sind günstiger, aber nicht für alle Bausätze geeignet.
| Position | Kosten (ungefähr) |
|---|---|
| Bausatz Stahl (3,50 x 9,00 m) | 2.200 bis 4.000 Euro |
| Bausatz Holz (3,60 x 9,00 m) | 2.500 bis 4.500 Euro |
| Bausatz Aluminium (3,50 x 9,00 m) | 3.000 bis 5.500 Euro |
| Fundament (Streifenfundament) | 800 bis 1.500 Euro |
| Montage durch Fachbetrieb | 500 bis 1.200 Euro |
Wer handwerklich versiert ist, kann den Aufbau selbst übernehmen und bei Bausätzen mit klarer Anleitung realistisch 600 bis 1.000 Euro sparen. Gesamtkosten von 4.000 bis 7.000 Euro für eine solide Anlage sind für die meisten Größen ein realistischer Planungswert.
Gemessen an den Kosten für eine Wohnwageneinlagerung beim Händler, die je nach Region zwischen 400 und 900 Euro pro Saison liegt, amortisiert sich ein eigener Carport häufig innerhalb von fünf bis acht Jahren. Wer seinen Wohnwagen lange behält, fährt damit in der Regel günstiger als mit externer Einlagerung.

