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Schutzklassen bei Sicherheitsschuhen erklärt

The Nachricht RedaktionBy The Nachricht RedaktionSeptember 21, 2026Keine Kommentare5 Mins Read
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Schutzklassen bei Sicherheitsschuhen erklärt
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Inhaltsverzeichnis

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  • Grundlage: Die Norm EN ISO 20345
  • Die Klassen SB bis S5 im Einzelnen
  • Zusatzkennzeichnungen und was sie bedeuten
  • Wer schreibt welche Klasse vor?
  • Praktische Hinweise zur Auswahl
  • Fazit

Wer auf einer Baustelle arbeitet, braucht andere Schuhe als jemand in der Lebensmittelproduktion. Das klingt selbstverständlich, doch in der Praxis herrscht bei der Auswahl von Sicherheitsschuhen oft Verwirrung. Die Buchstaben-Zahlen-Kombination auf der Schachtel, also S1, S2, S3 und so weiter, beschreibt verbindliche Schutzklassen, die auf europäischen Normen basieren. Wer die falsche Klasse wählt, riskiert nicht nur den Schutz der Beschäftigten, sondern unter Umständen auch den Versicherungsschutz bei Arbeitsunfällen.

Grundlage: Die Norm EN ISO 20345

Alle gängigen Sicherheitsschuhe in Europa müssen der Norm EN ISO 20345 entsprechen. Sie legt fest, welche Mindestanforderungen ein Schuh erfüllen muss, um als Sicherheitsschuh eingestuft zu werden. Dazu gehört grundsätzlich eine durchtrittsichere Zwischensohle sowie eine Stahlkappe oder eine zertifizierte Kappe aus Verbundwerkstoff, die einem Aufprall von 200 Joule standhält. Unterhalb dieser Norm gibt es noch Berufsschuhe (ohne Schutzkappe) und Schutzschuhe mit 100 Joule, diese tragen das Kürzel S ohne Ziffer oder das Kürzel P.

Die Norm unterscheidet zudem zwischen dem Grundtyp SB und den höheren Klassen S1 bis S5. Jede Stufe baut auf der vorherigen auf und fügt konkrete Schutzeigenschaften hinzu. Wer die Anforderungen nicht selbst recherchieren möchte, findet eine kompakte Zusammenfassung der einzelnen Stufen und ihrer Merkmale unter Schutzklassen bei Sicherheitsschuhen, die die wichtigsten Unterschiede anschaulich gegenüberstellt.

Die Klassen SB bis S5 im Einzelnen

Der Typ SB ist die Basisklasse. Er umfasst lediglich die Schutzkappe mit 200 Joule und antistatische Eigenschaften. Mehr nicht. Für die meisten gewerblichen Tätigkeiten reicht das nicht aus.

S1 ergänzt SB um eine geschlossene Fersenpartie, antistatische Eigenschaften, Energieaufnahme im Fersenbereich und Ölbeständigkeit der Laufsohle. Dieser Typ eignet sich für Innenräume ohne nennenswerte Nässe, etwa in Lagerhallen oder der Automobilmontage.

S2 entspricht S1, fügt aber Wasserdichtigkeit des Schaftmaterials hinzu. Das Obermaterial muss mindestens 60 Minuten lang wasserdicht bleiben. S2 kommt häufig im Gartenbau oder bei Outdoor-Tätigkeiten im trockenen bis leicht feuchten Bereich zum Einsatz.

S3 ist in Deutschland die am häufigsten vorgeschriebene Klasse. Sie vereint alle Eigenschaften von S2 mit einer durchtrittsicheren Sohle (Widerstand gegen Nägel und spitze Gegenstände) und einem Profilmuster der Laufsohle. Baustellen, Dachdecker, Handwerker: Überall dort, wo Nägel auf dem Boden liegen können, ist S3 Pflicht oder zumindest dringend empfohlen.

S4 und S5 sind Gummistiefel-Klassen. S4 entspricht in Bezug auf die Schutzmerkmale ungefähr S1, jedoch aus komplett wasserdichtem Polymermaterial gefertigt. S5 entspricht S3, ebenfalls in Vollgummi oder Vollpolymer. Diese Typen werden in der Landwirtschaft, in der Fischverarbeitung oder überall dort eingesetzt, wo dauerhafter Kontakt mit Wasser oder Chemikalien besteht.

Zusatzkennzeichnungen und was sie bedeuten

Neben den Klassen S1 bis S5 tragen viele Schuhe weitere Buchstaben, die spezifische Zusatzschutzmerkmale anzeigen. Eine Auswahl der wichtigsten:

  • A: Antistatisch (über den Standard hinausgehende Ableitung elektrostatischer Ladung)
  • E: Erhöhte Energieaufnahme im Fersenbereich
  • WR: Wasserabweisung des gesamten Schuhs (nicht nur des Schaftmaterials)
  • CI: Kälteisolierung der Sohle bis minus 17 Grad Celsius
  • HI: Hitzeisolierung der Sohle bis 150 Grad Celsius
  • M: Schutz des Fußknöchels (metatarsal)
  • CR: Schnittschutz nach EN 388

Ein Schuh mit der Kennzeichnung S3 WR CI ist also wasserabweisend, durchtrittsicher und kälteisolierend. Für einen Forstarbeiter im Winter eine sinnvolle Kombination, für einen Elektriker in der Halle dagegen überdimensioniert.

Wer schreibt welche Klasse vor?

Die Pflicht zur Gefährdungsbeurteilung liegt beim Arbeitgeber. Die rechtliche Grundlage bildet die Arbeitsschutzgesetz-Seite auf gesetze-im-internet.de, dort ist geregelt, dass Arbeitgeber geeignete persönliche Schutzausrüstung bereitzustellen haben. In der Praxis bedeutet das: Erst die Gefährdungsbeurteilung, dann die Klasse, dann der Schuh. Wer einfach S1 kauft, weil er günstig ist, und dabei S3-Pflicht auf der Baustelle ignoriert, handelt ordnungswidrig.

Die Berufsgenossenschaften geben zudem Branchenregeln heraus, die konkret festlegen, welche Schutzklassen in bestimmten Tätigkeitsfeldern erforderlich sind. Ein Dachdecker braucht mindestens S3, ein Laborant dagegen häufig nur S1 mit antistatischer Eigenschaft.

Praktische Hinweise zur Auswahl

Schutzklasse und Tragekomfort schließen sich heute nicht mehr aus. Moderne S3-Schuhe wiegen teils unter 400 Gramm, haben orthopädisch geformte Fußbetten und sind in vielen Fällen enger an Sportschuhe angelehnt als an klassische Arbeitsstiefel. Wer täglich acht Stunden in Sicherheitsschuhen steht, sollte neben der Schutzklasse auf die Passform, die Sohlendämpfung und die Schafthöhe achten.

Wichtig ist auch das Prüfzeichen. Ein CE-Kennzeichen allein reicht nicht. Sicherheitsschuhe nach EN ISO 20345 müssen durch eine notifizierte Stelle geprüft worden sein und tragen entsprechende Kennzeichnungen auf Sohle oder Brandsohle. Schuhe, die nur online mit einem CE-Aufdruck verkauft werden, ohne eine solche Prüfung, sind keine echten Sicherheitsschuhe im Sinne der Norm.

Klasse Kernmerkmale Typischer Einsatzbereich
SB Schutzkappe 200 J Basisschutz, selten ausreichend
S1 + geschlossene Ferse, Ölsohle Lagerhallen, Montage innen
S2 + wasserdichtes Obermaterial Gartenbau, leichte Außenarbeit
S3 + durchtrittsichere Sohle, Profil Bau, Handwerk, Dachdecker
S4 Vollpolymer, S1-Niveau Nassbereich, Landwirtschaft
S5 Vollpolymer, S3-Niveau Fischverarbeitung, Chemie, Forst

Fazit

Die Schutzklasse eines Sicherheitsschuhs ist keine Marketingkategorie, sondern eine normierte, geprüfte Angabe mit konkreten Konsequenzen für Sicherheit und Haftung. Wer die Logik hinter SB, S1 und S3 kennt, kann gezielt auswählen, unnötige Kosten vermeiden und gleichzeitig sicherstellen, dass Beschäftigte den Schutz bekommen, den ihre Tätigkeit tatsächlich erfordert. Dabei lohnt es sich immer, zunächst die Gefährdungsbeurteilung abzuarbeiten und dann die Norm zu Rate zu ziehen, statt umgekehrt vorzugehen.

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