Zuletzt aktualisiert: 24. Juni 2026
Wer in Österreich Aktien kaufen möchte, hat heute deutlich einfachere Voraussetzungen als noch vor zehn Jahren. Damals musste man fast zwangsläufig zur Hausbank gehen, sich durch ein dickes Beratungsformular kämpfen und vergleichsweise hohe Ordergebühren akzeptieren. Heute reichen ein paar Klicks am Smartphone, eine Identitätsprüfung per Video und der erste Aktienkauf kann am selben Tag erfolgen. Diese Anleitung erklärt die wichtigsten Schritte von der Depoteröffnung bis zur ersten Order.
Schritt 1: Das richtige Depot eröffnen
Bevor überhaupt Aktien gekauft werden können, braucht es ein Wertpapierdepot. In Österreich gibt es dafür mehrere Wege. Die klassische Variante ist das Bankdepot bei der Hausbank — komfortabel, aber meist mit höheren Gebühren und Depotführungskosten verbunden. Die moderne Alternative sind Neobroker, die ein Depot vollständig digital und in der Regel ohne laufende Kosten anbieten.
Der Eröffnungsprozess ist bei allen seriösen Anbietern ähnlich strukturiert: persönliche Daten eingeben, steuerlichen Wohnsitz angeben, Erfahrungsfragen zu Wertpapieren beantworten (Pflicht laut MiFID II) und Identifikation per Video oder Post-Ident. Nach erfolgreicher Prüfung ist das Depot meist innerhalb von ein bis drei Werktagen handelsbereit.
Schritt 2: Welche Aktien kaufen?
Die Aktienauswahl ist für viele Einsteiger der schwierigste Punkt. Grundsätzlich gilt: Wer einzelne Aktien kauft, sollte das Unternehmen verstehen. Was macht die Firma? Wie verdient sie Geld? Wie steht sie im Wettbewerb? Wer diese Fragen nicht beantworten kann, sollte besser in einen breit gestreuten ETF investieren, der die Aktienauswahl quasi automatisch übernimmt.
Für die Bewertung von Einzelaktien sind ein paar Kennzahlen besonders nützlich. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) zeigt, wie teuer eine Aktie im Verhältnis zum Gewinn ist — Werte unter 15 gelten in vielen Branchen als günstig, über 25 als ambitioniert bewertet. Die Eigenkapitalrendite verrät, wie effizient ein Unternehmen mit dem eingesetzten Kapital arbeitet. Und die Dividendenrendite ist für Anleger interessant, die regelmäßige Ausschüttungen wünschen. Detaillierte Analysen und Bewertungen einzelner Aktien finden sich regelmäßig auf Finanzradar, wo auch Brokervergleiche und Strategie-Ratgeber veröffentlicht werden.
Schritt 3: Die erste Order ausführen
Ist das Depot eröffnet und die gewünschte Aktie ausgewählt, geht es ans Ordern. Hier ist es entscheidend, den richtigen Ordertyp zu wählen. Eine Market-Order führt den Kauf sofort zum nächstmöglichen Kurs aus — bei liquiden Aktien wie Voestalpine oder Erste Group ist das meist unproblematisch, bei kleineren Werten kann der Ausführungskurs aber unerwartet hoch ausfallen.
Sicherer ist die Limit-Order: Hier legt der Anleger einen Maximalkurs fest, zu dem er bereit ist zu kaufen. Wird dieser Kurs nicht erreicht, findet kein Trade statt. Gerade bei volatilen Werten oder Käufen außerhalb der Haupthandelszeiten ist diese Variante deutlich risikoärmer. Wer im Ausland gelistete Aktien kauft, sollte zudem den Handelsplatz beachten — viele Werte werden parallel an mehreren Börsen gehandelt (z.B. Frankfurt, Xetra, NYSE), die Spreads können sich unterscheiden.
Schritt 4: Steuern korrekt behandeln
In Österreich werden Kapitalerträge mit der Kapitalertragsteuer (KESt) von 27,5 Prozent besteuert. Das gilt sowohl für Kursgewinne als auch für Dividenden. Inländische Broker führen die KESt automatisch ab, ausländische nicht — in diesem Fall muss der Anleger selbst eine Erklärung über die Anlage E1kv beim Finanzamt einreichen.
Wichtig: Verluste aus Aktienverkäufen können mit Gewinnen aus anderen Aktienverkäufen verrechnet werden. Diese sogenannte Verlustverrechnung erfolgt bei inländischen Brokern automatisch innerhalb des Jahres. Wer mehrere Depots bei verschiedenen Brokern hat, muss die Verluste über die Steuererklärung manuell zusammenführen — was sich in der Regel lohnt, weil dadurch effektiv Steuern gespart werden.
Häufige Fehler beim ersten Aktienkauf
Drei Fehler passieren Anfängern besonders oft. Erstens: zu konzentriertes Portfolio. Wer das gesamte Ersparte in eine oder zwei Aktien steckt, geht ein hohes Klumpenrisiko ein. Selbst große Unternehmen können Wertverluste von 50 Prozent oder mehr erleiden — eine Diversifikation auf mindestens acht bis zehn verschiedene Werte (oder einfacher: ein ETF) reduziert dieses Risiko deutlich.
Zweitens: Kaufen nach Trends. Wer eine Aktie kauft, weil sie gerade in den Medien gehypt wird, kauft meist zu einem Zeitpunkt, an dem der Kurs bereits stark gelaufen ist. Drittens: zu häufiges Umschichten. Jeder Kauf und Verkauf kostet Gebühren und realisiert eventuelle Steuern. Eine ruhige Hand und langfristiges Denken zahlen sich an der Börse fast immer mehr aus als hektisches Handeln.
Wer diese Punkte berücksichtigt, hat als Aktien-Einsteiger in Österreich solide Voraussetzungen für einen erfolgreichen Vermögensaufbau. Der Schlüssel liegt nicht im perfekten Einstiegszeitpunkt, sondern in Geduld, Disziplin und einer durchdachten Streuung des Kapitals.
