Rund 10,6 Millionen Hunde leben laut Statistischem Bundesamt in deutschen Haushalten. Ein wachsender Teil davon begleitet seine Besitzer auf Reisen, ob nach Kroatien, in die Toskana oder an die Nordsee. Was dabei oft unterschätzt wird: Die Ernährung des Hundes verändert sich auf Reisen erheblich, und das nicht nur wegen anderer Wasserqualität oder Hitze. Wer 2026 mit dem Hund verreist, sollte die Futterplanung genauso ernst nehmen wie die Buchung der hundfreundlichen Unterkunft.
Warum Reisen den Hundemagen belastet
Hunde sind Gewohnheitstiere, das gilt besonders für ihre Verdauung. Ein abrupter Futterwechsel unterwegs, etwa weil das gewohnte Produkt im Urlaubsort nicht verfügbar ist, führt bei vielen Hunden innerhalb von 24 bis 48 Stunden zu Durchfall oder Erbrechen. Hinzu kommen Stressfaktoren: lange Autofahrten, fremde Umgebungen, ungewohnte Gerüche und veränderte Schlafroutinen aktivieren das Nervensystem und verlangsamen die Darmperistaltik. In südlichen Reiseländern verstärkt Hitze diesen Effekt zusätzlich, weil Hunde weniger fressen, aber mehr trinken.
Praktisch bedeutet das: Wer zwei Wochen wegfährt, sollte genügend des gewohnten Futters einpacken. Bei Trockenfutter sind das für einen mittelgroßen Hund von etwa 20 Kilogramm rund 3 bis 4 Kilogramm. Das klingt nach viel, ist im Kofferraum aber gut verstaubar und spart im Zweifel Tierarztkosten.
Trockenfutter oder Nassfutter auf Reisen
Die Frage, welche Futterform sich besser für Reisen eignet, hat eine klare Antwort: Trockenfutter ist logistisch überlegen. Es verdirbt nicht innerhalb weniger Stunden, braucht keine Kühlung und lässt sich in wiederverschließbaren Beuteln oder Dosen transportieren. Nassfutter hingegen muss nach dem Öffnen innerhalb weniger Stunden verfüttert werden, was im Sommer bei 30 Grad schwierig ist. Wer trotzdem auf Nassfutter besteht, sollte auf Einzelportionen in kleinen Dosen setzen.
Bei der Auswahl des Trockenfutters lohnt sich ein Blick auf die Zusammensetzung. Viele günstige Produkte aus dem Supermarkt arbeiten mit hohem Getreideanteil und wenig tierischem Protein. Für Hunde, die ohnehin empfindliche Mägen haben, kann das unterwegs zum Problem werden. Hochwertiges Hunde-Trockenfutter mit klar deklariertem Fleischanteil und ohne künstliche Zusätze verursacht erfahrungsgemäß weniger Verdauungsprobleme, gerade wenn der Hund ohnehin schon unter Reisestress steht.
Einfuhrregeln für Hundefutter im EU-Ausland
Innerhalb der Europäischen Union gilt grundsätzlich der freie Warenverkehr, das heißt, handelsübliches Hundefutter kann ohne Mengenbeschränkung mitgeführt werden. Anders sieht es bei Reisen in Drittstaaten aus. Die Schweiz etwa, kein EU-Mitglied, erlaubt die Einfuhr von Heimtierfutter für den persönlichen Bedarf bis zu 10 Kilogramm, sofern es aus der EU stammt und industriell hergestellt ist. Großbritannien hat seit dem Brexit eigene Regelungen eingeführt, die regelmäßig aktualisiert werden.
Wer in Nicht-EU-Länder reist, sollte grundsätzlich die aktuellen Einfuhrvorschriften direkt bei der Botschaft oder dem Zoll des Ziellandes prüfen. Rohe Fleischprodukte und selbst hergestelltes Futter unterliegen in vielen Ländern strengen Einfuhrbeschränkungen oder sind gänzlich verboten. Die entsprechenden unionsrechtlichen Grundlagen finden sich unter anderem in der Gesetze im Internet-Datenbank des Bundesjustizministeriums, die auch relevante EU-Verordnungen im deutschen Recht abbildet.
Fütterungszeiten und Mengen anpassen
Auf Reisen verschiebt sich der Tagesrhythmus, oft auch unbewusst. Wer normalerweise seinen Hund um 7 Uhr und 18 Uhr füttert, füttert im Urlaub vielleicht um 9 Uhr und 21 Uhr. Für die meisten Hunde ist das kein Problem, solange der Abstand zur nächsten Aktivität stimmt. Niemals sollte ein Hund kurz vor oder nach langen Autofahrten eine große Mahlzeit bekommen. Das Risiko einer Magendilatation, umgangssprachlich Magendrehung, steigt bei Bewegungsmangel nach dem Fressen besonders bei tiefbrüstigen Rassen wie Deutsche Dogge, Dobermann oder Irish Setter.
Empfehlenswert ist außerdem, die Gesamttagesmenge bei großer Hitze um etwa 10 bis 15 Prozent zu reduzieren. Hunde, die sich weniger bewegen und mehr schlafen, haben einen niedrigeren Kalorienbedarf. Dafür steigt der Wasserbedarf erheblich. Ein Hund von 20 Kilogramm braucht im Normalfall rund 800 Milliliter Wasser pro Tag, bei Temperaturen über 28 Grad kann das auf 1,2 Liter oder mehr steigen.
Wasser unterwegs: ein oft unterschätztes Thema
In Südeuropa oder Nordafrika sollte kein Hund aus öffentlichen Brunnen oder Bächen trinken. Parasiten wie Giardia oder Leishmania werden über kontaminiertes Wasser und Insektenstiche übertragen. Leishmania ist in Teilen Spaniens, Italiens, Griechenlands und der Türkei endemisch und kann bei Hunden zu schwerwiegenden chronischen Erkrankungen führen. Informationen zu Reiserisiken für Heimtiere stellt unter anderem das Friedrich-Loeffler-Institut als Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit bereit.
Abgekochtes oder in Flaschen abgefülltes Wasser aus dem Supermarkt ist in Risikogebieten die sicherere Wahl. Eine faltbare Silikonschüssel und eine 1-Liter-Flasche Wasser im Tagesrucksack kosten wenig und können viel Ärger ersparen.
Checkliste für die Futterplanung vor der Reise
- Futtervorrat für die gesamte Reisedauer plus drei Tage Reserve einpacken
- Trockenfutter in luftdichter Dose oder Zip-Beutel umfüllen
- Fütterungszeiten an den Reiserhythmus anpassen, nicht spontan variieren
- Tagesmenge bei Hitze reduzieren, Wasserversorgung erhöhen
- Einfuhrvorschriften des Ziellandes vorab prüfen
- Bei empfindlichen Hunden: probiotische Ergänzung während der Reise erwägen
- Tierarztadresse im Urlaubsort vorher notieren
Eine gute Vorbereitung kostet wenig Zeit, verhindert aber, dass der Hund den Urlaub krank verbringt und die ganze Familie mit ihm. Wer das Futter zu Hause schon sorgfältig auswählt, hat unterwegs schlicht weniger Probleme. Das gilt 2026 genauso wie in jedem Jahr davor.

