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Direktzugang zur Physiotherapie 2026: Was Modellvorhaben und Politik aktuell vorbereiten

The Nachricht RedaktionBy The Nachricht RedaktionMai 3, 2026Keine Kommentare6 Mins Read
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Direktzugang zur Physiotherapie 2026: Was Modellvorhaben und Politik aktuell vorbereiten
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Inhaltsverzeichnis

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  • Was sich 2026 politisch tut
  • Was Modellvorhaben gezeigt haben
  • Worüber konkret gestritten wird
  • Wie sich Praxen vorbereiten
  • Was Patientinnen und Patienten erwartet
  • Häufige Fragen
  • Fazit
  • Quellen

Redaktion Gesundheit · Veröffentlicht: 3. Mai 2026

In Deutschland muss, wer eine Krankengymnastik oder Manuelle Therapie braucht, zunächst eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen — ohne ärztliche Verordnung gibt es keinen Heilmittel-Zugang über die gesetzliche Krankenversicherung. In Schweden, Finnland, den Niederlanden, Großbritannien, Australien, Neuseeland und den USA ist das anders: Dort können Patientinnen und Patienten in vielen Fällen direkt eine Physiotherapie-Praxis aufsuchen, ohne den Umweg über die Hausarztpraxis. „Direct Access“ heißt das Modell. In Deutschland ist es Gegenstand intensiver politischer Diskussionen — und 2026 nimmt der „Direktzugang“ konkretere Formen an.

Was sich 2026 politisch tut

Anfang Februar 2026 hat das Bundesgesundheitsministerium die Prüfung gesetzlicher Regelungen für Modellvorhaben zum Direktzugang offiziell bestätigt. Am 25. Februar 2026 hat Bundesgesundheitsministerin Nina Warken in der Regierungsbefragung des Deutschen Bundestages die zentrale Rolle der Physiotherapie mit Direktzugang im künftigen Primärversorgungssystem bekräftigt. Ein Gesetzentwurf für das Frühjahr 2026 wurde von der Bundesregierung angekündigt.

Worum es konkret geht: Patient:innen sollen für definierte Indikationen — diskutiert werden vor allem muskuloskelettale Beschwerden der unteren Extremitäten und der Wirbelsäule mit kurz- und mittelfristigem Behandlungsbedarf — direkt eine Physiotherapie-Praxis aufsuchen können, ohne vorher den ärztlichen Weg gegangen zu sein. Der Verband für Physiotherapie (VPT) und der Bundesverband selbstständiger Physiotherapeuten (IFK) treiben das Thema seit Jahren voran; die Bundesärztekammer und der GKV-Spitzenverband haben unterschiedliche Vorbehalte.

Was Modellvorhaben gezeigt haben

Bereits abgeschlossen ist das gemeinsame Modellvorhaben „Physiotherapie“ der BIG direkt gesund und des IFK. Versicherte ab 18 Jahren mit muskuloskelettalen Erkrankungen der unteren Extremitäten oder der Wirbelsäule konnten teilnehmen. Die wissenschaftliche Begleitung übernahm die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), Institut für Physiotherapie. Der Ergebnisbericht nach § 65 SGB V wurde erstellt von Dr. Irina Nast, Prof. Dr. Markus Wirz, Dipl. Soz.-Wiss. Mandy Scheermesser und Prof. Dr. Astrid Schämann.

Zentrale Ergebnisse: Patientinnen und Patienten mit Direktzugang erreichten kürzere Behandlungsdauern, und ihre Beschwerden besserten sich tendenziell schneller als in der Vergleichsgruppe mit klassischem ärztlichem Verordnungsweg. Die Studie wurde von der IFK-Vorstandsvorsitzenden Ute Repschläger und dem BIG-Vorstandsvorsitzenden Peter Kaetsch als Argument für die Notwendigkeit einer gesetzlichen Verankerung herangezogen.

Parallel gibt es Initiativen auf Landesebene. Die FDP-Fraktion im Thüringer Landtag hat einen Antrag eingebracht, ein Modellvorhaben „Direktzugang Physiotherapie“ in Thüringen zu initiieren — wissenschaftlich begleitet von Prof. Dr. Saal von der Ernst-Abbe-Hochschule Jena in Zusammenarbeit mit der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Beteiligt werden sollen die Landesärztekammer, die Kassenärztliche Vereinigung Thüringen und die Berufsverbände der Physiotherapie.

Worüber konkret gestritten wird

Die zentrale Streitfrage ist nicht das Ob, sondern das Wie. Der GKV-Spitzenverband sieht die jetzige Ausbildungsstruktur kritisch: In der Primärausbildung qualifizieren sich Physiotherapeut:innen nicht automatisch für häufig nachgefragte Spezialleistungen wie Manuelle Therapie, Krankengymnastik am Gerät oder Manuelle Lymphdrainage — diese erfordern Weiterbildungen. Aus Sicht des GKV-Spitzenverbandes ist das mit einem Direktzugang nur schwer vereinbar; einheitliche Ausbildungsstandards seien zwingende Voraussetzung.

Der IFK argumentiert dagegen mit einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts aus dem Jahr 2009: Demnach genügt für den Direktzugang im Selbstzahlerbereich bereits eine geringfügige Nachqualifizierung, die in 60 Unterrichtseinheiten (50 UE Differenzialdiagnostik plus 10 UE Recht) vermittelt werden kann. Der IFK setzt sich dafür ein, dass diese 60 UE im neuen Berufsgesetz für Physiotherapie verankert werden.

Eine dritte Frage ist die nach der Akademisierung. In allen Ländern mit etabliertem Direktzugang ist die Physiotherapie-Ausbildung primärqualifizierend akademisch — Bachelor-, oft Master-Niveau. In Deutschland gibt es seit 2009 eine Modellklausel für hochschulische Studiengänge, die mehrfach verlängert wurde und derzeit bis 2026 läuft. Eine vollständige Akademisierung der Physiotherapie-Ausbildung wird vom Bundesministerium für Gesundheit nicht angestrebt; stattdessen ist eine Teilakademisierung mit Nebeneinander von fachschulischer und hochschulischer Ausbildung vorgesehen.

Wie sich Praxen vorbereiten

Größere Physiotherapie-Praxen verfolgen die Entwicklung mit Interesse. Wer als Praxis frühzeitig dokumentiert und Befunde objektiv erfasst, ist auf einen Direktzugang mit den damit verbundenen Diagnosestellungs- und Differentialdiagnostik-Anforderungen besser vorbereitet. Praxen wie das Elithera Gesundheitszentrum in Rhauderfehn — ein ostfriesisches Gesundheitszentrum mit rund 20 Mitarbeitenden und einem Spektrum von Orthopädie über Neurologie bis Kinderphysiotherapie — arbeiten bereits mit digitalen Befundungs-Werkzeugen wie sensorbasierten Bewegungs- und Haltungsanalysen, um Beweglichkeit und funktionelle Parameter objektiv zu dokumentieren. In einem Direktzugangs-Setting werden solche Dokumentations-Standards wichtiger: Sie schaffen Nachvollziehbarkeit für die zuständigen Krankenkassen und Rückfall-Sicherheit bei Behandlungsverläufen, die ohne ärztliche Vor-Diagnostik beginnen.

Die strukturelle Frage, wie Direktzugang in einer Praxis organisiert werden kann, beschäftigt zudem Berufsverbände und Standes-Organisationen. Themen wie Haftung, Screening-Verfahren (welche „Red Flags“ müssen Therapeut:innen erkennen, um einen Patienten direkt an die Ärztin oder den Arzt zu überweisen?), interprofessionelle Kommunikation und Abrechnungsmodelle stehen auf den Tagesordnungen der Verbände-Gremien.

Was Patientinnen und Patienten erwartet

Konkret werden gesetzlich Versicherte 2026 noch keinen flächendeckenden Direktzugang erleben. Solange das Versorgungsgesetz nicht beschlossen und in Kraft getreten ist, bleibt der ärztliche Verordnungsweg verbindlich. Wer dennoch ohne Verordnung eine Physiotherapie-Sitzung will, kann das schon heute tun — als Selbstzahler:in. Im Rahmen einer Heilpraktiker-Zulassung (auch der sektorale Heilpraktiker für Physiotherapie ist hier eine Option) können Physiotherapeut:innen Patient:innen behandeln, die ohne ärztliche Diagnose kommen — bezahlt wird privat, in der Regel zwischen 60 und 110 Euro pro Sitzung.

Für die Zukunft ist offen, ob der Direktzugang erst über regionale Modellvorhaben (Thüringen ist hier Vorreiter) langsam in die Regelversorgung wachsen wird oder ob über das Versorgungsgesetz II eine bundeseinheitliche Lösung geschaffen wird. Beide Wege werden diskutiert.

Häufige Fragen

Geht es 2026 schon ohne Rezept zur Physiotherapie?
Nein, im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung weiterhin nur mit ärztlicher Verordnung. Modellvorhaben sind in Vorbereitung, ein flächendeckender Direktzugang ist 2026 nicht zu erwarten.

Was kostet Physiotherapie als Selbstzahler:in ohne Rezept?
In den meisten Praxen zwischen 60 und 110 Euro pro Sitzung, abhängig von Behandlungsdauer (typisch 25 bis 60 Minuten) und Spezialleistungen. Bei sektoraler Heilpraktiker-Behandlung gelten ähnliche Preise.

Warum ist Direktzugang in anderen Ländern Standard und in Deutschland nicht?
In Ländern mit Direktzugang (Schweden, Finnland, UK, Niederlande, Australien, USA) wird Physiotherapie ausschließlich über Hochschulstudium ausgebildet. In Deutschland ist die Ausbildung historisch primär fachschulisch organisiert. Die Diskussion über die Anpassung der Ausbildung an internationale Standards läuft seit Jahren.

Was bedeutet „Blankoverordnung“ und ist das schon Direktzugang?
Nein. Die Blankoverordnung — seit November 2024 in der Physiotherapie möglich — überträgt die Auswahl von Heilmittel, Behandlungsfrequenz und Mengen innerhalb eines Korridors von der ärztlichen an die physiotherapeutische Praxis. Der erste Schritt zur Therapie bleibt aber die ärztliche Verordnung. Direktzugang heißt: kein ärztlicher Erstkontakt nötig.

Fazit

2026 ist ein politisch dichtes Jahr für die Frage des Direktzugangs zur Physiotherapie. Mit der Konkretisierung durch das Bundesgesundheitsministerium, dem für das Frühjahr angekündigten Gesetzentwurf und den vorliegenden Ergebnissen des BIG/IFK-Modellvorhabens stehen die Weichen auf weitere Erprobung. Bis zur Regelversorgung mit Direktzugang ist es politisch und gesetzgeberisch jedoch noch ein Weg. Patient:innen sollten den ärztlichen Verordnungsweg vorerst als Standard einplanen — werden aber in den kommenden Jahren möglicherweise neue Optionen erleben.

Quellen

  • Bundesministerium für Gesundheit — Modellvorhaben Direktzugang (Pressemitteilungen Februar 2026)
  • VPT — Direktzugang im Visier: Bundesministerin Warken konkretisiert Pläne (vpt.de)
  • IFK — Direktzugang vs. Blankoverordnung (ifk.de)
  • BIG direkt gesund — Modellvorhaben Physiotherapie, Ergebnisbericht ZHAW
  • Versorgungsgesetz II (Gesetzentwurf Frühjahr 2026 angekündigt)
  • BVerwG-Urteil 2009 — sektoraler Heilpraktiker für Physiotherapie
  • GKV-Spitzenverband — 90 Prozent E-Magazin, Direktzugang für Heilmittelerbringer (gkv-90prozent.de)
  • Antrag FDP-Fraktion Thüringer Landtag, Modellvorhaben Direktzugang

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder rechtsverbindliche Beratung. Bei konkreten Verordnungsfragen wenden Sie sich an die behandelnde Ärztin oder den behandelnden Arzt bzw. an die zuständige Krankenkasse.

Direktzugang Gesundheitspolitik Modellvorhaben Physiotherapie Versorgungsgesetz
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